Die Gräber von Siebeneichen

"In der ersten Maihälfte war die Öffentlichkeit durch die Tagespresse auf einen eigenartigen Fund aufmerksam geworden: gelegentlich einer Kellerausschachtung um Anwesen des Herrn Johann Aures Hs.-Nr. 8 stieß man unversehens auf menschliche Skelette, die unter Grabgewölben eingebettet noch verhältnismäßig gut erhalten waren. Der anfänglichen Vermutung man könnte es mit einer altgeschichtlichen Begräbnisstätte zu tun haben musste der mit der Geschichte Siebeneichens auch nur oberflächlich vertraute sich von vornherein verschließen. Wieß schon die Bestattungsart der Toten in ausgemauerten Gruften und Särgen auf eine Vergangenheit von wenigen Jahrhunderten so legte die, auch der heutigen Generation noch bekannte Tatsache, dass sich noch vor 125 Jahren über dem Anwesen des Hs.-Nr. 8 eine Kirche erhob, eine andere Erklärung nahe. Diese gibt uns die Pfarrbeschreibung und das alte Kirchenbuch der evang.-luth. Pfarrei Rosenberg, in die Filialkirche von Siebeneichen gepfarrt war. 

In der uralten Kirche von Siebeneichen, die vermutlich im 13. Jahrhundert von dem bayrischen Grafen Babo von Abensberg erbaut und der heiligen Barbara geweiht war, hatten die Wirte von dort eine Erbbegräbnis. Wie weit dieses Bestattungsrecht in die Kirche zurückreicht, lässt sich heute nicht mehr erkennen. Die Sterbematrifel vom Jahre 1704 berichtet: „den 26. Januar ist Frau Hedwig Lucia Königin, erstlich Herrn Georg Peter Bayer’s, hernach Herrn Konrad König’s, beider Wirthe zu Siebeneichen, hinterlassene Wittib, eine fromme Seele und guten Geschlechtes (deren Herr Vater gewesen, der von Rudolfo II. in den Adelstand erhobene Herr Otto Heinrich Reuter, des Inneren Raths in Sulzbach etc.) mit einer folennen Leichpredigt, bei großer Versammlung ind er Wirthe Erbbegräbnis zu Siebneichen, nämlich in die Kirche allda egraben worden, ihres Alters 66 Jahre 1 Monat – starb sowohl Alters als auch leiblicher Schmerzen halber.“ Dieser Eintrag ist von der Hand des damaligen evang. Pfarrers Andreas Seidel von Rosenberg. 

Als 1734 der genannten Schweigertochter Barbara Bayer, Gattin des Wirts, Johann Georg Bayer in Siebeneichen stirbt und begraben wird, ist dieses Erbbegräbnis nicht erwähnt; umso ausführlicher dagegen ist ein Eintrag vom Jahre 1741 abgefasst: „ Den 3. Juni ist Lit. Herr Johann Georg Bayer, vornehmer Wirth und Weinhändler allda nach dem ¼ jährigem Krankenlager mit einer ordentlichen Leichpredigt unter einer zahlreichen Leichversammlung zur Erden bestattet worden, seines Alters 75 Jahre. – Es liegt aber derselbe in der Kirch zu 7 eichen bei dem Altar der Sakristei neben seiner geliebten Frauen in der von ihm neu erbauten Gruft (der vazierenden Meß gegen 300 fl. (Gulden) dafür erlegt) ehrlich begraben.“

War es bei den meisten der 12innerhalb der Kirchenmauern aufgefundenen Skelette nicht möglich festzustellen welche Namen diese Toten bei Lebzeiten getragen haben. So dürfte wohl kein Zweifel darüber bestehen, dass die zuerst aufgedeckte Gruft die sterblichen Reste, des Ehepaares Bayer barg: Schulter an Schulter nebeneinander gebettet die Köpfe im Halbprofil einander zugewendet lagen die beiden in ihrem letzten Schlafkämmerlein. Es ist kaum anders zu denken, als dass der 7 Jahre später verstorbene Ehemann zu seiner in die Ewigkeit vorangegangenen „Ehegesponsin“ (wie die Ehefrau dazumal häufig bezeichnet wrude) in ein und denselben Sarg gelegt ward. – Ein Erinnerungszeichen an diesen Siebeneichner Wirt, der vor nunmehr bald 200 Jahren das Zeitliche gesegnet hat, ist heute noch am Wirtschaftsgebäude von Siebeneichen zu sehen: in die Mauer des südlichen turmartigen Anbaues sind die Anfangsbuchstaben seines Namens JGB und die Jahreszahl 1708 eingegraben. 

Nach Johan Gg. Bayers Tod übernahm die Wirschaftsführung der aus Pegnitz stammende Thomas Hammeran. Er hatte am 10. November 1739 in 7 eichen die Magdalena Sophie Eleonoara König, Tochter des Sulzbacher Fleischhackers und Bürgers Christan König, also eine Enkelin der eingangs erwähnten Gastwirtin Hedwig Lucia König, geehlicht und so in das an der verkehrsreichen Straße Nürberg-Prag gelegene und best rentierende Gasthaus hereingeheiratet – 1754 begräbt er „in der Kirche gegen die Tür auf das Zollhaus hinaus“ ein Töchterlein; nach ihm finden noch zwei seinder Kinder ihre letzte Ruhestätte „in der Wirhe Erbbegräbnis.“ Am 10. November 1760 wird „Herr Thomas Hammeran, vornehmer Wirt und Weingastgeber zu Siebenaichen, auch Fleischhackmeister zu Pegnitz, nach einer überjährigen ausgestandenen Krankheit, unter einem großen Leichen-Donduct mit einer erbaulichen Leichenpredigt in seine neuerbaute Gruft allda gebracht, von sulzbacherischen Evangelischen Schulherren vor und nach der Predigt, Musik gemacht, und von dasigem Schul-Rectore Herrn Pantzer parentiert, seines Alter 52 Jahr, 34 Wochen und 5 Täg. 

Später geschieht in der Gruft der Wirte keine Erwähnung mehr, merkwürdigerweise auch nicht bei der Witwe Eleonore Hammeran im Mai 1781. 

Die Heutige Gastwirtsfamile Kreiner hat im Jahre 1809 das altrenommierte Haus von dem Nachfolger Hmmeran’s, dem Wirt Georg Friedrich Mühlhofer aus Rothenstadt bei Weiten käuflich übernommen. Letzerer ist daraufhin im Anschein nach in seine alte Heimat zurückgekehrt, keines seiner Familienglieder ist in Siebeneichen gestorben und begraben worden. Es sind überhaupt Anzeichen dafür vorhanden, dass sich schon vor Ablauf des 18.Jahrhunderst die Toten von Siebeneichen nicht mehr auf dem dortigen, an die Kriche sich anschließenden Friedhof beigesetzt, sondern, damals bereits  wie heute nach Rosenberg zur Beerdigung verbracht wurden. Die bauliche Unterhaltung des alten Gotteshauses scheint weder bei den Verwaltern der vazierenden Messtiftung in Sulzbach noch bei den Siebeneichnern selbst nur einigem Interesse begegnet zu sein. In einem Bericht von 1807 heißt es, dass „das Kirchlein kein Stück gutes Dach mehr und durchaus kein gutes Fenster hat.“ Schon 1824 wurde das Gotteshaus für 161 fl verkauft und er Erlös der Messtiftung Sulzbach gegeben. Als einzige Spur dieser einstmals so ..."

 

Beisetzung

03.06.1935:

"Siebeneichen. In würdiger Weise fand am Himmelfahrtstage in Beisein einer zahlreichen Gemeinde die Beisetzung der bei den Ausschachtungsarbeiten gefundenen Skelette statt. Unter den Klängen eines Trauermarsches der Kapelle des Evang. Männerbundes Rosenberg wurde der Sarg mit den Gebeinen zu dem unter den Sieben mächtigen Eichen, dem Wahrzeichen des Ortes, bereiteten Grabe getragen. Herr Pfarrer Müller-Rosenberg sprach über die ehemalige Kirche St. Barbara und kam zu der Feststellung das es sich bei der fünf oder sechs von den 13 jetzt beerdigten Skeletten um Angehörige der Wirtsfamilien Bayer und Hammeran handelt. Ein von der Kapelle gespielter Choral beschloß die historische Beisetzungsfeier."

 

Vielen Dank an Anja Kellner für die Recherche.

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